„Humor baut Hürden ab“
19. Februar 2026

Cartoonist Phil Hubbe im Interview über einen unverkrampften Umgang mit Inklusion
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Humor kann Brücken bauen, gerade beim Thema Inklusion. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Behinderten- und Inklusionsbeirats der Stadt Baunatal zeigt der bekannte Cartoonist Phil Hubbe seine Ausstellung „Behinderung mit Humor“ ab Freitag, 27. Februar, im Rathaus. Im Interview spricht er über die Kraft des Humors, gesellschaftliche Barrieren und warum Lachen Perspektiven verändern kann.
Ihre Cartoons bewegen sich oft auf einem schmalen Grat zwischen Humor und Verletzlichkeit. Wo endet für Sie das Lachen, und wo beginnt es gerade erst, wichtig zu werden?
Cartoons, wie viele andere Kunstformen, sollen unterhalten. Wenn man sich an ihnen erfreut und darüber lachen kann – umso besser. Regt Kunst dann noch zum Nachdenken an, bewegt sie sich in einer zusätzlichen Dimension. Aber das liegt letztlich in den Augen des Betrachters: Die Grenze zwischen Humor und Verletzlichkeit ist ein schmaler Grat. Künstler sollten Ahnung von dem Thema haben, mit dem sie arbeiten. Man merkt etwa Zeichnungen an, ob die Künstler wissen, was sie darstellen. Nur so kann ein Witz auch funktionieren. Es gibt Themen, an die ich mich nicht heranwage, weil ich mich nicht genug auskenne.
Sie zeichnen über Behinderung nicht von außen, sondern aus eigener Erfahrung. Verändert das den Humor oder macht es ihn erst möglich?
Mit dem eigenen Bezug zu einer Thematik ist sicherlich nochmal ein anderer Zugang möglich, als wenn man sich ihr nur als Außenstehender nähert. Ich denke, dass der Humor durch die eigene Betroffenheit und dem Verständnis für eine Thematik wie das der Behinderung nochmal an Tiefe gewinnen kann.
Ihre Zeichnungen wirken oft entwaffnend, nicht anklagend. Ist das eine bewusste Entscheidung gegen den „moralischen Zeigefinger“?
Humor funktioniert am ehesten dann, wenn er unverkrampft ist. Also das Gegenteil vom moralischen Zeigefinger. Es wäre Quatsch, wenn nur noch Rollstuhlfahrer Cartoons über andere Rollstuhlfahrer zeichnen dürften. Es geht mir nicht darum, andere als Trottel darzustellen, sondern menschliche Erfahrungen zu teilen und zu verarbeiten, und das geht nun mal am besten mit einer Prise Humor.
Hilft Humor, Berührungsängste im Umgang mit Behinderung abzubauen, und falls ja, wie?
Und wie! Humor hat allgemein eine entlarvende Wirkung, etwa indem er bewusst mit Vorurteilen und Klischees spielt. Gemeinsames Lachen schafft zudem Brücken, und übers Nachdenken kann man untereinander ins Gespräch kommen.
Ihre Cartoons nehmen oft nicht die Betroffenen, sondern die gesellschaftlichen Barrieren ins Visier. Ist das der eigentliche Kern von Inklusion?
Was kann schon inklusiver sein als gemeinsame Gespräche und gemeinsames Lachen? Der Dialog führt schließlich zu gegenseitigem Verständnis, und das ist die Grundvoraussetzung für Inklusion.
In öffentlichen Debatten wird zumeist sehr vorsichtig über Behinderung gesprochen. Braucht es mehr Gelassenheit im Umgang mit Inklusion?
Definitiv. Oft reicht es dabei schon, mehr in Kontakt zu Thema und Menschen zu kommen. Das lässt sich besonders gut bei Kindern beobachten: Ein spielerischer, ehrlicher Umgang mit Behinderungen heißt, auch mal unbedarfte Fragen zu beantworten, Alltagsschwierigkeiten zu erklären, zu zeigen und gemeinsam zu lachen. So finden sich Gemeinsamkeiten, und Kinder mit und ohne Behinderungen begegnen sich spielerisch – einfach gelebte Normalität.
Der Behinderten- und Inklusionsbeirat Baunatal wird 25 Jahre alt. Was kann Humor leisten, was klassische politische Arbeit allein nicht schafft?
Einen neuen Blickwinkel schaffen; sich dem Thema oder einer Agenda ohne Druck unverbissen nähern.
Was wäre ein gelungener Ausstellungsbesuch: Lachen, Nachdenken – oder beides gleichzeitig?
Beides. (lacht)
Zur Person:
Phil Hubbe, Cartoonist und Karikaturist, lebt und arbeitet in Magdeburg. Er veröffentlicht seine Zeichnungen in Büchern, Kalendern und Ausstellungen im gesamten deutschsprachigen Raum. Seit seiner Diagnose Multiple Sklerose verarbeitet er immer wieder eigene Erfahrungen mit einem besonderen Blick für gesellschaftliche Themen in seinen Werken.