Baunatal setzt wichtiges Zeichen gegen häusliche Gewalt
02. Dezember 2025

Bewegende Ausstellung im Rathaus widmet sich dem facettenreichen Thema
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- 23.09.2025Do, 11.12.2025, 01:00 UhrMarokkanischer Kochabend wird ein Fest der Begegnung

Es ist die wohl eindrücklichste und emotionalste Ausstellung in diesem Jahr im Rathausfoyer: Am Vortag des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen wurde sie am 24. November unter der Überschrift „Gewalt hat viele Gesichter – Baunatal schaut hin“ eröffnet. Mehr als 70 Gäste, darunter Vertreterinnen regionaler Hilfsnetzwerke sowie Magistratsmitglieder, Stadtverordnete und Mitarbeitende der Stadtverwaltung, waren gekommen, um gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen.
Bürgermeister Henry Richter und die städtische Frauenbeauftragte Stefanie Teuteberg begrüßten die Anwesenden und betonten die gesellschaftliche Verantwortung, das Thema sichtbar zu machen. „Gewalt findet oft im Verborgenen statt. Wir wollen heute deutlich machen: Wir schauen hin und wir handeln“, bekräftigte Henry Richter. Er hob auch die große Bedeutung der Frauenhäuser hervor: „Frauen, die im Frauenhaus Schutz finden, haben ein wesentlich geringeres Risiko, erneut Opfer von Gewalt zu werden. Schutzräume retten Leben, und sie schaffen Chancen. Als Stadt stehen wir in der Mitverantwortung dafür, dass Gewalt frühzeitig erkannt wird und Betroffene Zugang zu Hilfe erhalten“, unterstrich er.
„Jede dritte Frau in Deutschland macht in ihrem Leben Erfahrungen mit häuslicher bzw. sexualisierter Gewalt“, stellte Stefanie Teuteberg fest. Gewalt gegen Frauen komme in allen Milieus vor, „und nicht nur in sozialen Brennpunkten.“ Ihr Dank galt allen an der Vorbereitung und Durchführung der Eröffnungsveranstaltung Beteiligten und besonders ihren Mitarbeiterinnen vom Frauenbüro, Laura Schmidt und der Auszubildenden Nicole Boike, mit denen sie die Ausstellung konzipiert hat.
Unsichtbare Gewalt hat viele Facetten
Im Anschluss folgten bewegende Beiträge der Expertinnen Kathrin Buttler, Opferschutzbeauftragte des Polizeipräsidiums Nordhessen, Mascha Schläder vom Verein Frauen helfen Frauen e.V. sowie Irmes Schwager vom Autonomen Frauenhaus Kassel. Sie gaben Einblicke in ihre tägliche Arbeit und machten deutlich, wie vielfältig und oft unsichtbar Gewalt in all ihren Facetten sein kann. Gewalt gegen Frauen sei ein gesellschaftliches Problem und zeige sich nicht nur körperlich, sondern auch psychisch, wirtschaftlich oder digital. „Hingucken und melden: Wir brauchen Ihre Hinweise“, appellierte Kathrin Buttler, die anhand konkreter Zahlen verdeutlichte, wie nah das Thema ist: 2024 registrierte die Polizei hessenweit 11.879 Straftaten im Bereich häuslicher Gewalt, 1.911 waren es allein in Nordhessen — darunter 66 in Baunatal. „Und wir kennen nicht die Dunkelziffer.“ Über 80 Prozent der Opfer waren Frauen, bei den ermittelten Tatverdächtigen waren fast 80 Prozent männlich.
Mascha Schläder und Irmes Schwager erklärten, warum es für Betroffene oft schwer ist, sich aus gewaltvollen Situationen zu lösen — neben der materiellen Abhängigkeit greife u.a. oft noch das Prinzip der „rosa Liebe“ — und zeigten Unterstützungsangebote im Landkreis und in Kassel auf. Mascha Schläder bemängelte fehlende Beratungsstellen und Frauenhausplätze: „Das vorhandene System ist überlastet.“
Interaktive Ausstellung lädt zum Mitdenken ein
Die Ausstellung selbst setzt auf interaktive Elemente. Besucherinnen und Besucher können sich mit zentralen Fragen auseinandersetzen: Was ist Gewalt? Welche Formen gibt es? Welche Warnsignale sollten hellhörig machen? Wie entstehen Abhängigkeiten? Welche Wege in Sicherheit stehen offen? Ergänzend werden regionale Fach- und Beratungsstellen und Hilfsangebote vorgestellt. Zugleich unterstreicht die Präsentation den wichtigen Appell der Rednerinnen: Ziel ist es, ein Bewusstsein zu schaffen, Zivilcourage zu fördern und Betroffenen Mut zu machen, sich Hilfe zu suchen.
Die Stadt lädt Bürgerinnen und Bürger zum Besuch dieser wichtigen Ausstellung ein, die während der Öffnungszeiten bis 5. Dezember im Foyer zu sehen ist.
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