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20.04.2017

Josef Köcher schrieb in der Region Geschichte

Ehemaliger Landrat des Landkreises Kassel holte das VW-Werk nach Baunatal

Josef Köcher (1907 - 1997).
Josef Köcher (1907 - 1997).

Die Ansiedlung des Volkswagenwerks in Altenbauna in den 50-er Jahren und der daraus resultierende Zusammenschluss der ehemaligen Dörfer zur Stadt Baunatal ist einem Mann zu verdanken, dessen Todestag sich am 22. April 2017 zum 20. Mal jährt: Der einstige Landrat Josef „Jupp“ Köcher hat in der Region Geschichte geschrieben. Dass er Nordhessens wichtigsten Arbeitgeber nach Baunatal geholt hatte, galt als einer seiner größten Verdienste. Im Jahr 1977 wurde Josef Köcher zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Anlässlich seines 85. Geburtstages hatte die Stadt unter dem damaligen Bürgermeister Heinz Grenacher 1992 einen großen Empfang zu Ehren Josef Köchers in Baunatal ausgerichtet. Fünf Jahre später konnte dieser die Glückwünsche zu seinem 90. Geburtstag nur auf dem Krankenbett entgegennehmen, wenige Wochen später erlag er seiner schweren Krankheit.

Nicht nur in der Stadt Baunatal hat Josef Köcher Spuren hinterlassen, die ihn bis heute unvergessen machen. Als Landrat des Landkreises Kassel hat der Sozialdemokrat von 1951 bis zur Gebietsreform 1972 viele Akzente gesetzt. Immer im Sinne und zum Wohl der Bürger, setzte er u.a. Schulbauten und Seniorenheime durch, so auch das Altenzentrum in Altenbauna. Etliche Schülergenerationen erinnern sich gern an erlebnisreiche Tage auf Burg Sensenstein, die Jugendbildungseinrichtung im Kaufunger Wald geht auf Köchers Initiative zurück. Seit vielen Jahrzehnten finden auf dem Sensenstein zudem die beliebten Kreis-Seniorentage statt, die er während seiner Amtszeit ins Leben gerufen hatte. Auch die Errichtung der Jugend- und Freizeiteinrichtung „Jugendseeheim Sylt“ des Kreises Kassel auf der Nordseeinsel, die bis heute ein beliebtes Ziel für Klassenfahrten und vieles mehr ist, hatte Josef Köcher initiiert. Aufgrund seiner eigenen Erlebnisse lag ihm auch das Schicksal der Heimatvertriebenen in der Region am Herzen, für deren Integration er sich stark machte.

Ehrungen
Für seine Verdienste und Leistungen erhielt Josef Köcher neben der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Baunatal weitere Auszeichnungen: 1972 das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, 1984 die Wilhelm-Leuschner-Medaille, die höchste Auszeichnung des Landes Hessen; 1992 das Ehrenschild in Gold des Landkreises Kassel.

Josef Köcher wurde am 15.03.1907 in Bleiswedel im Sudetenland geboren.
1923 trat der gelernte Kaufmann mit 16 Jahren in die SPD ein. Der Sozialdemokrat wurde nach dem Einmarsch der Nazis in das Sudetenland inhaftiert und saß mehrere Monate in Bautzen ein.
Die Kriegszeit erlebte er als Wehrmachts-Soldat. Er betonte immer, er habe keinen einzigen Schuss abgegeben.
Nach dem 2. Weltkrieg kam er als Verfolgter der Nazis und politischer Gefangener mit den Vertriebenen-
Transporten aus dem Sudetenland nach Nordhessen.
1948 wurde er in Weimar/Ahnatal zum Gemeindevertreter gewählt und wurde SPD-Kreistagsmitglied.
Von 1951 - 1972 war er Landrat des Landkreises Kassel. Während dieser Zeit verbuchte die SPD einen stetigen Zuwachs von anfangs rd. 50 auf ca. 70 Prozent bei diversen Wahlen.
Von 1950 bis 1970 war Josef Köcher über sechs Wahlperioden lang Mitglied des Hessischen Landtags.
1954 und 1959 war Josef Köcher Mitglied der Bundesversammlung.
Im Ruhestand galt sein Engagement dem Roten Kreuz.

 
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