Logo JugendbildungwerkJugendbildungswerk

Aktionsprogramm Partizipation

Siehe auch:

Wir mischen mit – Förderung von Alltagspartizipation und aktiver Mitgestaltung der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in der Zusammenarbeit von Jugendarbeit und Schule in Baunatal.

Demokratische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

soll zum Leitprinzip für pädagogische Einrichtungen werden. Demokratie ist nicht nur ein Anspruch, sie muss erlebbar sein und erlernt werden, im Inneren verwirklicht und in der Alltagskultur verankert sein. Im Fachaustausch sowie durch gemeinsame Projekte wollen wir uns mit Praktiker/-innen aus Schule und Jugendarbeit dem Partizipationsgedanken annähern und Ansätze entwickeln, wie sich dieser nachhaltig in Schule und Jugendarbeit verankern lässt. Parallel dazu sollen modellhaft Projekte mit Kindern und Jugendlichen entwickelt und durchgeführt werden. Das Projekt ist prozessorientiert angelegt. Der erste Schritt wird die Sensibilisierung für das Thema in den genannten Einrichtungen sein.

Foto: Jugendliche Reichen sich die Hände

Projektinhalte/Konzeption

Um nachhaltig und langfristig zu wirken ist es sinnvoll, die in Baunatal sehr positiv entwickelte projektorientierte Beteiligung um Alltagsbeteiligung zu ergänzen. Nachhaltig verankern lässt sich der Partizipationsgedanke aber nur, wenn er als Haltung in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen präsent ist und sich in vielen Alltäglichkeiten und im Miteinander zeigt. Basis einer gelebten Demokratie sind positive Partizipationserfahrungen und das Erleben, in jungen Jahren etwas zu bewirken sowie ein Miteinander, welches auf gleichwertige Beziehungen baut.

Hier setzt dieses Projekt an. Im Fachaustausch sowie durch gemeinsame Projekte wollen wir uns mit Praktiker/-innen aus Schule und Jugendarbeit dem Partizipationsgedanken annähern und Ansätze entwickeln, wie sich dieser nachhaltig in Schule und Jugendarbeit verankern lässt. Parallel dazu sollen modellhaft Projekte mit Kindern und Jugendlichen entwickelt und durchgeführt werden. Schwerpunkte sind dabei neue Ganztagsangebote und bauliche Veränderungen bei den kooperierenden Schulen.

Es ist konzeptioneller Bestandteil der Arbeit des Jugendbildungswerkes und des Stadtteilzentrums Baunsberg in der Gestaltung der Angebote die unterschiedliche Lebenssituation von Jungen und Mädchen zu berücksichtigen.

Projektziele
  • eine Partizipationskultur in Baunatal auf- und auszubauen, insbesondere in der Alltagskultur von pädagogischen Einrichtungen
  • die Kooperation von Jugendarbeit/-bildung und Schule zu verbessern, den Fachaustausch zwischen Lehrer/-innen und sozialpädagogischen Fachkräften fördern und verankern
  • praktische Demokratieerfahrung zu ermöglichen, demokratische Basiskompetenzen zu vermitteln, eine positive Grundhaltung zur Partizipation bei Kindern, Jugendlichen und Fachkräften zu fördern
  • den Prozess einer kommunalen Bildungsplanung einleiten (Beginn in 2007 mit einer verwaltungsinternen Arbeitsgruppe)
Zielgruppe
  • Die primäre Zielgruppe sind Jugendliche in der Kommune (überwiegend in der Sekundarstufe I, teilweise auch Schüler/-innen der gymnasialen Oberstufe). Des Weiteren werden Kinder aus Kita und Grundschule eingebunden, sowie Erzieher/-innen und Lehrer/-innen.

Projektbausteine

Im Rahmen des Projektes „Wir mischen mit – Förderung von Alltagspartizipation“ arbeitet das Jugendbildungswerk modellhaft mit verschiedenen Einrichtungen in folgenden Projekten zusammen sowie übergreifend an einer kommunalen Bildungsplanung:

Förderung von Alltagspartizipation im Kitawesen

  • Fortbildung für Leitungen und andere Interessierte der Baunataler Kindertagesstätten
hier erfahren Sie mehr

Beteiligung bei der Neugestaltung des Schulhofes der Grundschule Am Stadtpark

  • Mitbestimmungsstrukturen (Delegiertensystem und Projektrat) modellhaft ausprobieren, auswerten und langfristige Verankerung diskutieren
  • Bewertung der Pausenaktivitäten
  • Beteiligung zur Ideenentwicklung
  • Beteiligung zur Formulierung von Anforderungen für neuen Schulhof
  • Beteiligung bei Planungsprüfung
  • Beteiligung bei Ideenkonkretisierung
  • Beteiligung bei Entwicklung von Absprachen für Nutzung etc
hier erfahren Sie mehr

Bewertung und Weiterentwicklung bestehender Praxis zur Partizipation und Demokratie an der Friedrich-Ebert-Schule (FES)

  • Pädagogischer Nachmittag mit dem Kollegium+
  • Demokratietraining in den Klassen
  • SV-Training
hier erfahren Sie mehr

Unterstützung der SV-Arbeit an der Theodor-Heuss-Schule (THS)

  • SV-Wochenende
  • Unterstützung der SV bei der Konzeption eines KlassensprecherInnen-Trainings
  • gemeinsame Durchführung von einigen Schülerratssitzungen (Learning bei Doing)
hier erfahren Sie mehr

Beteiligung bei der Schulhofumgestaltung an der Theodor-Heuss-Schule

  • Beteiligung in diversen Phasen des Planungs- und Bauprozesses
  • Mitarbeit in einem Projektteam „Schulhof“
  • Unterstützung der Schule bei der Strukturierung des Prozesses
hier erfahren Sie mehr

Beteiligung bei der Umgestaltung des Schulfoyers am Lichtenberg-Gymnasium

  • Zukunftswerkstatt
  • Planungswerkstatt
  • Entwurfpräsentation
hier erfahren Sie mehr
Erste Eindrücke und Erfahrungen

Bei einem „Runden Tisch“ aller Projekte wurde von LehrerInnen zurückgemeldet, dass die Projekte dazu beigetragen haben, dass Partizipation in den Köpfen der Kinder und auch der LehrerInnen präsent ist. So fordern die Kinder einer ersten Klasse der Friedrich-Ebert-Schule seit dem Demokratietraining von ihrer Lehrerin ein, bei allen möglichen Themen abzustimmen. Im Demokratietraining haben sie einen Begriff und ein Vorgehen kennen gelernt, welches sie jetzt im Alltag üben wollen, um es sich so zu eigen zu machen.
Die Projekte haben auch zu einer Stärkung des Wir-Gefühls beigetragen: „Gemeinsam können wir etwas erreichen.“ „Gemeinsam gestalten wir unsere Lebenswelt.“

In der Grundschule Am Stadtpark hat das Projekt - neben ganz konkreten Hinweisen für die Gestaltung des neuen Schulhofes und der Entwicklung eines Spielgerätes aus einer Idee der Kinder heraus - auch eine große Neugier und Lust im Kollegium geweckt, den begonnenen Weg fortzusetzen und Partizipationsstrukturen für den Schulalltag zu entwickeln. Hier hat das Projekt als Türöffner für Partizipation gewirkt.

An der Theodor-Heuss-Schule ist durch das Beteiligungsprojekt zum Schulhof der Schülerrat als vorhandenes Mitbestimmungsgremium intensiv genutzt worden. KlassensprecherInnen sind sich ihrer Rolle als VertreterInnen ihrer Klassen bewusst geworden und haben Erfahrungen in einem Aushandlungsprozess sammeln können. Ein Lehrer berichtete, dass die Klassensprecher in seiner Klasse jetzt eine neue Diskussionskultur in ihre Klasse hineintragen (zumindest in Ansätzen) und so als Multiplikatoren fungieren. Für das SV-Team der THS war der Beteiligungsprozess eine Möglichkeit des „Learning by Doing“, sie haben sich neue Kompetenzen in der Moderation durch das Beobachten und praktische Tun erwerben können.

Deutlich wird also, dass die Projekte auf irgendeine Art und Weise wirken. Deutlich wird aber auch, dass Partizipation und Demokratie als zusätzliches Projekt und nicht als grundlegende Haltung des Miteinanders gesehen werden – ein Projekt, welches als sinnvoll erachtet wird, aber welches häufig nicht oben auf der Prioritätenliste steht. Dabei ist Demokratie nicht nur eine Staats- und Gesellschaftsform sondern auch eine Lebensform, die es zu erlernen bzw. zu üben gilt. Dies geht allerdings nur, wenn Ressourcen im Schulalltag für die gemeinsame Gestaltung des Alltags und für die notwendigen Aushandlungsprozesse zur Verfügung stehen. Partizipation und Demokratie sollte als Bildungsziel und im Lehrplan verankert sein und gleichwertig neben der Vermittlung von sonstigem Fachwissen stehen. Beteiligung bei der Gestaltung von Schulalltag, Schulgebäude und Schulhof sollte Alltag sein. Hier ist die Politik gefragt, dies auf Landes- und Kreisebene zu verankern und dafür zu sorgen, dass z.B. der Schulalltag Zeit für das Miteinander, den Austausch und Aushandlungsprozesse lässt.

Projektzeitraum
  • Beginn: 01.03.2007 / Ende: 31.12.2009

Kooperierende Schulen
  • Theodor-Heuss-Schule Baunatal,
    Kooperative Gesamtschule mit Nachmittagsangeboten
    3 x wöchentlich und Schulsozialarbeit - www.ths-baunatal.de
  • Schule Am Stadtpark Baunatal,
    Grundschule
  • Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule,
    Gymnasium des Landkreises Kassel
    mit pädagogischer Mittagsbetreuung - www.lichtenberg-schule.de
  • Friedrich-Ebert-Schule Baunatal,
    Grundschule mit pädagogischer Mittagsbetreuung und Schulsozialarbeit -
    www.friedrich-ebert.baunatal.schule.hessen.de
Sonstige Kooperationspartner/-innen
  • Kindertagesstätten der Stadt Baunatal, Pädagogische Leitung der Kindertagesstätten

Träger
  • Magistrat der Stadt Baunatal
    - Jugendbildungswerk
  • Ansprechpartner/-in für das Projekt
    Heide Hoffmann und Frank Grasmeier